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hannafakturblog


warum mich DIY nervt

11. Juli 2008 12:51 Uhr

Ich bin gelangweilt von den hundertsten “so schön wohnen Designer” Serie, gelangweilt von der zweihundertsten Idee, wie man ein altes Regal aufpimpen kann, gelangweilt von wunderschönen anbetungswürdigen Kleidungsstücken (die ab Größe 38 scheiße aussehen), perfekt dazu passenden Accessoires, und dem viel zu oft zitierten Credo “indie ist ecofriendly” (was in den meisten Fällen wahrscheinlich nicht mal stimmt). Ehrlich gesagt bin ich nicht nur gelangweilt, sondern auch etwas genervt.

Ich bin Designer und mein Heim ist nicht besonders heimelig, ich bin nämlich unordentlich habe kein Arbeitszimmer. Und ich mag selbstgemachte Sachen wirklich gerne, aber dieses Trara darum geht mir grade mächtig auf die Nerven. Zum einen, weil es an Authentizität verliert, zum anderen scheint mir, dass die ganze DIY-Idee mehr konsumiert wird, als dass sie Kreativität fördert, und das finde ich sehr schade. Was ich in diesem Zusammenhang mit Konsumieren meine ist vielleicht nicht so leicht zu verstehen: Es gibt eine Anleitung mit Punkten, die man für ein bestimmtes Ergebnis abzuarbeiten hat. Das an sich ist ja nichts Schlimmes, aber mir scheint, dass der Schwerpunkt dabei oft auf dem Ergebnis liegt und nicht gleichermaßen auf dem Herstellungsprozess & der Erfahrung die man dabei gewinnt. Und dass zudem die Einsicht fehlt, dass hinter der Anleitung ein ganzer Prozess steht, der sich am einfachsten mit Durchhaltevermögen, Versuch und Irrtum beschreiben lässt.

Vielleicht ist das ein wesentlicher Punkt: wir wollen bei dem was wir tun Erfolg haben. Erfolg definieren wir mit Ergebnissen. Und wenn die nicht gut sind, war alles umsonst.

So, und was machen wir jetzt um das zu lösen? Freue mich auf deine Idee =)

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15 Kommentare »

  1. gedankenleben

    #1 Kommentar vom 11. Juli 2008 um 13:23

    Genau dieses Gefühl habe ich wenn ich durch “das Depot” laufe oder ” butlers” oder so, ich krieg das Gefühl das das alles nicht echt ist und in der Wohnung dann wie eine Kulisse wirkt…genauso die ganzen Sendungen
    im Tv…z.b. schöner wohnen mit Tine oder wie sie heisst, die hat bestimmt einen Vertrag mit Ikea und die Wohungen die sie einrichtet sehen aus wie im katlog und so fühlt man sich darin dann denk ich auch…ausgestellt zur schau gestellt und nicht lebendig, echt…plagiat!
    massenkonsum ist wohl so…und das ist unsere gesellschaft.
    was man dagegen tun kann?
    die positiven seiten sehen,das es uns so gut geht und wir in einem land leben, das sogar luxus artikel und lifestyle *Kotzwort* sorry* massenweise produziert…zwar mehr schein als sein, aber immerhin…

  2. Depone

    #2 Kommentar vom 11. Juli 2008 um 17:40

    wir könnten uns entspannt zurücklehnen. vergessen dass es eine DIY-kultur gibt und was öko, indy und sexy ist und einfach das machen, was wir sonst auch den lieben langen tag machen ;)

  3. [depone] | Daniel Ehniss » Blog Archive » DIY

    #3 Pingback vom 11. Juli 2008 um 17:46

    [...] Hanni schreibt heute darüber warum sie von DIY genervt ist und fragt was wir tun könnten um diese DIY-Konsum-Kultur zu lösen. Und so kommst du zu ihr: WARUM MICH DIY NERVT. [...]

  4. Daniel

    #4 Kommentar vom 11. Juli 2008 um 20:43

    Do it yourself. Jetzt hab ichs. Musste ne Weile nachdenken, was das wohl heissen könnte :) .

    Gibst du dir die Antwort auf deine Frage nicht selbst? Ich denke du liegst mit deiner Analyse ganz richtig.
    Der Weg da raus kann doch nur sein sich gerade dessen (Ergebnis wichtiger als Weg zum Ziel) bewusst zu werden und sich auf das Ich-such-den-Fehler-und-experimentiere-selbst-bis-es-tut-und-aussieht-wie-ich-wollte wieder einzulassen. Oder? :)

  5. Hanni

    #5 Kommentar vom 11. Juli 2008 um 23:24

    danke für eure kommentare =)
    klar hat es massig gute dinge, aber ich bin eher auf die anderen (dinge) fixiert ;-) und will die dann ändern, oder zumindest verstehen. würde voll gerne meinen teil dazu beitragen, eine mentalität des “stilvollen scheiterns” oder so zu etablieren. allerdings ist es ja sehr uneffektiv, fehler zu machen. es erfordert einen mehr-aufwand an zeit und/oder geld. was wiederum bedeutet, dass durch erfahrung gewonnenes wissen erstmal konträr zur effizienz steht.

  6. warnschild

    #6 Kommentar vom 12. Juli 2008 um 10:23

    Das Verrückte ist, dass sich DIY, zumindest wenn es einen Kreativitätsanspruch stellt, selbst das Bein stellt. Weil ja ein genormter Weg geboten wird, irgendein Ziel zu erreichen. Und genau diese Norm hat nichts mit Kreativsein zu tun, überhaupt nichts.

    Gut finde ich den Ansatz, wenns um Schränke selbst bauen lernen geht oder so Geschichten, also einen völlig neuen Bereich kennenlernen, einen Einstieg finden und halt erstmal die 08/15-Variante angehen, um den Prozess zu verstehen, die einzelnen Arbeitsschritte.

    Dazu fällt mir nur die Vorlesung ein, die wir zum Thema “Kreativität” hatten bzw. das, was ich dazu lernen musste. Das war so lächerlich und hat mich so was von erzürnt, weils letztlich genau darum ging, Kreativität (etwas, was sich halt per se schon nicht so leicht in Schubladen stecken, klassifizieren, definieren lässt) herunterzubrechen auf etwas, was letztlich nicht mehr war als DIY, Malen-nach-Zahlen-Gedümpel. Und darauf haben sie dann irgendwelche bescheuerten Studien aufgebaut in der Hoffnung, den Kern der Kreativität erforschen zu können.

    Dabei ist es doch schon so, dass Kreativität nicht einheitlich ist, immer wieder aus dem Gewohnten ausbricht, nicht immer einen Zweck verfolgt, nicht in festen Phasen verläuft, keiner Norm entsprechen muss.

    Naja, die Wut kann ich verstehen. Aber letztlich ist es vielleicht nur das Gefühl, missverstanden zu werden, entwertet im 5-Schritte-Programm:

    Irgendsoein Depp, der keine Ahnung hat, erklärt auf 1X1-Niveau das, was ein gelehrter Mathematiker im Bewusstsein seines unzulänglichen Wissens erfürchtig betrachtet und vorsichtig umschreibt.

    Das Gemeine ist, dass es bei der Mathematik keiner wagen würde. Aber Kreativität ist doch so billig, ist doch nichts als DIY, ist doch das, was jeder kann (und viel häufiger mal tun sollte, weil doch der Umgang mit primitiven Dingen der Entspannung so unglaublich zuträglich ist und hilft, dem Leben wieder einen Sinn abzugewinnen und Kraft zu schöpfen für die Karriere)…

  7. Nervt es, Dinge selber zu machen? - StyleSpion

    #7 Pingback vom 12. Juli 2008 um 11:17

    [...] habe gerade in Johannes Bookmarks einen Beitrag von Hannegret entdeckt. Sie ist Designerin und beschreibt, dass und warum sie von Do It Yourself Geschichten [...]

  8. Andrea

    #8 Kommentar vom 12. Juli 2008 um 17:38

    Hallo,

    einen Lösungsansatz kann ich wohl auch kaum bieten… nur eine Erklärung…

    Ich meinerseits bin schon immer “kreativ” gewesen… sei es als Kind beim Basteln… oder den Versuch als 8jährige aus Stoffkreisen selbst einen Sonnenschirm zu machen oder als Erwachsene alten Möbeln ein neues Leben einzuhauchen…

    Mittlerweile nähe ich zu 90 % die Kleidung meiner Kinder selber… und auch da fällt mir auf, dass es einige gibt, die alle im gleichen Stil nähen… es muss immer ein Stoff aus der aktuellen oder zumindest letzten Saison sein, damit es von der Masse angenommen wird… oder bestimme Stickis oder Velourmuster…

    aber mir macht es oft gerade Freude, aus “alten” Dingen was neues zu zaubern…

    Zugegebenermaßen muss ich schon sagen, dass ich so manches gestyltes Nähzimmer im Netz bewundert habe… aber doch gefallen mir die chaotischen meiner Freundinnen un mein eigenes dann doch lieber… sie fordern mehr auf zum stöbern und wurschteln und entdecken…

    Und ich finde auch… der Weg ist das Ziel und nicht unbedingt das Ergebnis…

    GLG

    Andrea

  9. avit

    #9 Kommentar vom 19. Juli 2008 um 13:38

    Der DIY-Hype ist auf dem Weg zum Mainstream, wie alles, was sich kommerziell bestens ausschlachten lässt.

    Die “indie is ecofriendly”-These ist auf dem Mist der Amerikaner gewachsen, und dass da in Sachen Umweltschutz noch viel Aufarbeitungsbedarf besteht, ist kaum zu übersehen. Ich glaube kaum, dass die Mehrzahl der indie designer auch eco-conscious kauft; es wird vor allem gegen die Grossindustrie geätzt, und deren Umweltverschmutzung (also massloses Generalisieren), gegen Billigproduziertes aus Asien (dito), und generell -in Bezug auf USA- gegen alles, was nicht der eigenen Wirtschaft entspring. Das ist wohl weniger “ecofriendly” als vielmehr “patronizing bullcrap” (excuse my French).

    Was mir viel mehr auf den Wecker geht, sind selbsternannte “designer” und “stylisten”, deren Ruhm einzig darin liegt, dass sie schöne Bildchen der aktuellen Trendmagazine in ihren Blogs posten und mit ein paar schlauen Kommentaren versehen (sorry, decor8-Freunde).

    Wie kommt es, dass die meisten dieser “kreativen” Blogs mittlerweile nicht nur gleich aussehen (dekoriert die eine ihre Bildchen mit billigen Schnörkeln, macht’s die andere auch bald), sondern die meisten auch noch über dieselben Sachen schreiben? Kreativ kann man das nicht gerade nennen. Ist es auch nicht, sondern, wenn man genau hinschaut, meistens reine Werbung. Denn entweder sind es bezahlte Plugs für Leute, die um eine Erwähnung gebeten haben, oder es sind Themen, die aufgegriffen werden, gerade weil sie populär sind und damit die Statistiken des eigenen Blogs freundlich oben halten.

    Ich finde aber, dass wir in Deutschland von dem Hype auch lernen können – nämlich authentischer und ehrlicher zu sein, uns nicht dem Einheitsbrei anzupassen.

  10. Hanni

    #10 Kommentar vom 20. Juli 2008 um 16:22

    zu kreativität in schubladen_ schwierige sache. ich würd mal sagen, dass werber als “kreativer” beruf betrachtet werden kann, und da gibt es schon sehr viele schema, an die man sich halten kann, die sich auch bewährt haben. natürlich ersetzen die keine brillante idee.
    ich kann mich mit kategorisierungen meist leicht anfreunden, weil ich auch so denke: in regalfächern. da wird zwar oft um- und aufgeräumt, aber ohne fächer verlier ich den überblick.

    das sind mal klare worte, avit =) mit dem mainstream ist das so eine sache. natürlich freu ich mich wenn dinge, die mir am herzen liegen, verbreitet werden, aber es verwässert immer etwas und ich möchte immer sagen, nein, so ist das aber nicht gemeint! aber letztlich kann ja jeder draus machen, was er will. was gut und/oder schlecht sein kann. wahrscheinlich hab ich mich mit 13 auch über kreativ-tipps in ner prima mädchenzeitschrift gefreut, heute wird mir davon schlecht. was etwas kurzsichtig, eingebildet und ungnädig ist, aber so ist es halt.

  11. Andy

    #11 Kommentar vom 18. November 2008 um 01:57

    Also ich gehöre schon lange dieser DIY Szene an die in den USA wie bereits von Euch erwähnt sozusagen ihren Hauptsitz hat. Ich bin seid einer ganzen Weile auch in einigen Amerikanischen oder Englischen Foren unterwegs,die verschiedene Anghänger der DIY-Szene aus zig Ländern vertreten…
    Beim durchlesen dieser ganzen Kommentare hier ist das erste was mir aufgefallen ist jenes… Das nämlich hier überhaupt keiner von DIY überhaupt eine Ahnung hat.
    Wenn ich schon lese das hier die meisten Menschen denken das wir nur nach dem Malen-nach-Zahlen-Prinzip arbeiten und Kreativität keinen Platz hat und wir nicht auch Dinge nach dem Versuch-und Scheitern-Prinzip durchführen dann krieg ich echt schon zuviel.
    Ich kann nicht für alle Leute sprechen aber die meisten die ich kenne versuchen zig verschiedene Dinge,sind sehr kreativ und arbeiten mit den verschiedensten Materialien und Methoden,quasi immer auf der Suche was neues zu entdecken. Ich bastel jeden Tag,nähe, mache tausen verschiedene Sachen,die natürlich zum Teil auch durchaus von zig anderen Leuten auch mal hergestellt wurden.
    Es ist total idiotisch zu glauben das bei zig Tausend Diyern jeden Tag die neue mega Idee kommt. Ich mache das weil es mir Spass macht,weil ich es liebe Dinge zu erschaffen und zu planen und natürlich auch meine eigene Kreativität mit anderen zu teilen.
    Die vielen “How-to´s” geben einem die Möglichkeit etwas schönes was man gesehen hat selber herzustellen oder eben auch eigene Sachen anderen zugänglich zu machen.
    Ich teile gerne Ideen oder Lösungen mit anderen.. und ich lese mir auch gerne durch wie andere es machen würden.
    Es findet ein Austausch statt,der wie ich finde dem Kreativenprozess wirklich weitaus mehr weiterhilft als das er schadet.
    Durch Customanfertigungen kann man auch gut auf andere Leute und ihre Wünsche eingehen, man beschäftigt sich mit der Person für die man jene Artikel herstellt und durch sog. Swaps kann man Tauschwaren quer durch die ganze Welt schicken.
    Klar verkauft man ab und an auchmal was und kann auch vieles nicht so günstig anbieten wie Massenhersteller.. aber kaum einer macht sich Gedanken das die Materialien nicht gerade billig sind und es eben doch mehr Zeit in Anspruch nimmt. Ich finde nicht das es Wucher ist für etwas das man teilweise Stundenlang herstellt (von der Idee bis zur Entwicklung) eben auch mal einwenig mehr zu verlangen. Immerhin würde sich hier auch keiner an seine Arbeit setzen und stundenlang ohne Unterbrechung daran arbeiten um dann mit 5 Euro “Lohn” zufrieden zu sein.. (meistens kosten ja die Materialien schon mehr)
    Niemand zwingt einen diese Waren zu kaufen und wenn eine Oma versucht ihre Rente mit Stricken aufzubessern würde sich hier auch niemand darüber aufregen das sie dafür einwenig mehr Geld verlangt.
    Ich zum Beispiel versuche so auch mein Geld aufzubessern um mir im monat evtl mal einwenig mehr Essen oder sonstwas leisten zu können.
    Ich finde es im übrigen absurd wie man von DIY auf butlers kommt und by the way…die meisten Leute sind nichtmal in der indie szene sondern kommen aus mehreren ;)
    Es geht auch nur bis zum bestimmten grad um das Thema ecco-friendly..
    weil es eben hauptsächlich um eigens angefertigte Dinge geht.. eben um DO IT YOURSELF Dinge.. also selbstgemachte.. der Begriff sagt nicht das du da nach Plan vorgehen musst sondern eben nur das es etwas ist das selbsthergestellt wurde. In der Regel ist damit aber natürlch auch gemeint das man dazu vorher natürlich kein Ausgelernter Profi ist.. sondern eben jemand der durch Fehler und Versuche an jenes Ziel gelangt.
    Ich persönlich habe schon zig Materialien ausprobiert..ich bin nicht beschränkt in meiner Idee oder Umsetzung..Ich kann entscheiden ob ich dieses oder jenes ausprobieren will,oder evtl auch einfach mal ein Tutorial ansehe und nachmache.
    Klar ist es auch schön wenn man sich dabei überlegt wie man alte Dinge recyclen kann ;)
    Ausserdem muss ich mal hier an der stelle sagen das reine Fashion blogs und sowas nix mit DIY zu tun haben höchstens sie handeln von DIY Fashion.

    Ich finde es nicht negativ und unkreativ wie man sich aus Wasserflaschen Perlen für eine Kette machen kann,oder wie man aus einem alten Wollpullover eine schirmmütze herstellt,oder was man aus kaputten Farradreifen alles so machen kann…
    Vielleicht solltet ihr hier erstmal rausfinden was DIY ist und Euch mit der Szene auseinander Setzen bevor ihr hier so viele Falsche Dinge schreibt.
    MFG Andy

  12. Hanni

    #12 Kommentar vom 18. November 2008 um 12:50

    Hallo Andy, gerne hätte ich auch herausgefunden, wer du bist =)

  13. RBT

    #13 Kommentar vom 28. November 2008 um 14:01

    Auch wenn das Thema so langsam etwas einstaubt, möcht ich da auch nochmal meinen Senf drüberschütten.

    irgendwie scheinen sich in letzter zeit die Klagen über die Mainstreamisierung des DIY ein wenig zu häufen, dies ist ja nu wahrlich nicht der erste Rant zu dem Thema.
    Die Beobachtung, dass sich der ganze DIY kram mit zunehmender Verbreitung auch verwässert halte ich für zutreffend. In meinen Augen bringt es jedoch nichts sich darüber aufzuregen. Da schreien immer die, die um ihren Status als Mitglied der Gegenkultur fürchten, ihre kleine achsoindiepunkalternative Nische durch den globalen Raubtierkapitalismus bedroht sehen ( und sie haben auch noch recht dabei). Wenn man solche Entwicklungen etwas nüchterner und jenseits des eigenen Tellerrandes betrachtet, sollte auffallen, dass Gegenkulturen/eliten nie ihren Exotenstatus halten konnten. Der Mainstream wird immer wieder durch die Gegenkulturen befruchtet und er gebiert wiederum neue Subkulturen, die sich mit aller Macht gegen ihn wehren um dann doch wieder gefressen zu werden. Fazit: Locker bleiben, neue Nische suchen oder damit abfinden, dass die Masse den Vorsprung aufgeholt hat und zumindest glaubt auf Augenhöhe zu sein.
    Soviel zur Solzialwissenschaftlichen Dimension des Problems;)

    Nun zum Kreativitätsproblem, das man nicht völlig vom 1. Teil des Kommentars trennen kann. Die Kreativen glauben oft, Kreativität sei praktisch jedem in die Wiege gelegt und wer sich nicht kreativ austobe sei schlicht zu faul. Bis zu einem gewissen Grad mag das zutreffen, aber es scheint immer ein paar Leute zu geben, bei denen Kreativität über das normale, überlebensnotwendige Maß hinausgeht ( das sind dann vlt die die sich über die Herde aufregen;) ). Der Mehrzahl der Menschen scheint diesen Trieb irgendwas neu oder anders zu machen aber nicht zu besitzen ( über die Ursachen kann man sich an anderer Stelle streiten)

    Damit kommen wir zu 2 unterschiedlichen Lesarten von How tos. Die einen, die Masse, macht das was sie immers schon getan hat. Sieht etwas ( Bedürfnis ist geweckt) das jemand anderes erschaffen hat und möchte es besitzen (konsumieren). Man geht also los und erwirbt was man sich wünscht, beim DIY-Krams bezahlt man halt nicht nur mit Geld sondern investiert auch Zeit. Das sollte aber nicht über die rein konsumierende Natur des Vorgangs hinwegtäuschen. In diesem Fall vorallendingen ein Versuch Gegenkultur zu konsumieren.
    Kreative scheinen einen völlig anderen Weg zu gehen. Man liest howtos um nicht den ganzen Weg von vorne gehen zu müssen. Viele Dinge sind so komplex, dass eine komplett eigene Erarbeitung des Themas möglicherweise die gesamte Lebenszeit in Anspruch nehmen würde. Ein How-to erspart einem viel Forschungszeit. Man hat dabei jedoch weniger das Ergebnis der Anleitung im Hinterkopf als ein Kennenlernen des Arbeitsprozesses um diesen dann für eigene Projekte verwenden zu können. Es ist also das komplette Gegenteil des stringenten Verfolgens des vorgegeben Weges, schon auf Seite 1 fängt der kreative Kopf an zu rattern, sucht nach alternativen Anwendungszwecken oder Vorgehensweisen.
    In meinen Augen ist das lesen oder verfassen einer Anleitung daher moralisch durchaus vertretbar, niemand ist gezwungen sich daran zu halten und der Kreative will es auch nicht. Dem Rest ist halt nich zu helfen … ;)

    mfg
    RBT

  14. me

    #14 Kommentar vom 28. November 2008 um 17:32

    Auch wenn jetzt eher spätlich habe ich noch 2 Anmerkungen. Der Kommentar von der Anleitung lernt man mögliche Lösungen finde ich treffend. Heute produziere ich meine Pullover meistens freeform auf deutsch ausm Kopf, aber meine ersten Pullover (das ist jetzt schon 20 Jahre her, ich werde alt ;-) ) habe ich nach Anleitung versucht zu stricken. Versucht weil ich Anleitungen rein genetisch nicht befolgen kann. Aber ich habe was gelernt und heute brauch ich keine Ableitungen mehr. Trotzdem schaue ich mir welche an, weil neue Ideen sind nicht schlecht. Ich lebe nicht auf einer Insel, Austausch trägt dazu bei nicht einzurosten.
    Das zweite ist, Du bist Designer ja ? Frag mal jemandem mit null 3D Vorstellungsvermögen und einer fehlenden Farbsensibilisierung sich was vorzustellen. Mein Freund kann sich zum Beispiel schon bei existierenden Möbeln nicht vorstellen, wie das dann in unserer Wohnung aussieht. Wenn ich ihn mit Brettern konfrontiere, geht nix mehr. Viele Leute brauchen Anleitungen, weil ihnen die Vorstellungskraft fehlt. Sie sind gut im Zusammenbauen, aber schlecht im designen oder sie müssen etwas selber bauen, weil das Geld fehlt. Nicht jeder Mensch auf dieser Welt ist gleich kreativ, manche wollen es auch nicht sein. Eine Anleitung heißt auch zumindest beim stricken, keine Entscheidungen treffen, Kopf freihaben, einfach die Hände machen lassen, Zen halt.
    Das schöne an Blogs ist, die die man nicht mag muss man nicht lesen. ;-) .
    PS : Was ist so schlecht wenn DIY Mainstream wird. Warum sollen nicht möglichst viele Menschen das tolle Gefühl kennen lernen, selber was geschaffen zu haben. Auch wenn es strikte nach Anleitung war. Der Kuchen schmeckt nicht schlechter, nur weil man ihn nach Omas Rezept gebacken hat, die meisten Leute würden sagen er schmeckt besser.

  15. METAPLOT | Alles außer Bomben

    #15 Pingback vom 04. August 2009 um 16:06

    [...] »Do it yourself«-Welle schwappt durch das Internet. Immer stilecht und schön. Wer (außer Hannegret) wollte sich nicht immer schon von einer Buchrestauratorin erklären lassen, wie man Bücher [...]

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